Gerade war ich dabei, mit einem Kunden eine Veranstaltung abzustimmen, als dieser mich unvermittelt fragte: „Sagen Sie mal, was ist eigentlich Selbstführung? So etwas wie Zeitmanagement?“ Nicht ganz.

Wenn man sich mit Selbstführung befasst, stößt man im Netz auf vielfältige Beschreibungen. Meine geht so: Stell dir vor, dich erreicht eine Mail und bereits das bloße Registrieren des Absenders löst in dir Stress aus. Kennst du das? Da ist jemand, mit dem du einfach nicht warm wirst. Jemand, der dich triggert durch seine bloße Anwesenheit, und sei sie nur virtuell. Sofort ist da diese körperliche Anspannung, das Herz schlägt bis zum Hals, der Blutdruck steigt. Gefühle und Gedanken stellen sich ein, zumeist keine guten: „Was will der schon wieder.“ In einer solchen Stresssituation bist du nicht mehr du. Dein Gehirn kennt dann nur zwei Handlungsmöglichkeiten: Angriff oder Flucht. „Wenn ich dem nur nicht mehr begegnen müsste.“ So verlockend dieser Gedanke auch sein mag, tief in dir weißt du, das Ignorieren auch keine Dauerlösung ist.

50% Selbstkontrolle

Was bleibt da noch? Eine Menge! Und hier setzt die wache Selbstführung an. Versetze dich, wenn du magst, in die oben beschriebene Situation. Dich erreicht diese Mail, du realisierst den Absender und plötzlich ist er da: der Trigger! Und dann… ja, dann lenkst du deine Aufmerksamkeit nach innen, zu dir selbst. Spürst in dich hinein und schaust dir dein Körperprogramm, das gerade in dir abläuft, genau an. Da sind deine Körperempfindungen, deine Gefühle und Gedanken. Du nimmst sie wahr, nichts weiter: „Aha, da ist ja so einiges in mir lebendig.“ Du hälst für einen Augenblick inne. Keine Reaktion im Affekt, keine Schnellschüsse, keine übereilte Mail-Erwiderung, kein demonstratives Löschen der Mail.

Du tust nichts.

Du nimmst nur dein aufgewühltes Innenleben wahr. Und dann entscheidest du dich ganz bewusst dafür, die Mail zunächst liegen zu lassen und erst zu reagieren, wenn du dich ruhiger und entspannter fühlst. Gelingt es dir, deine Handlungsimpulse zu kontrollieren, aus deinen üblichen Reaktionsmustern auszusteigen, nicht jedem Außenreiz zu folgen und zunächst einmal innezuhalten, dann nennt man das auch wache Selbstkontrolle. Und das sind bereits 50% einer wachen Selbstführung.

50% Selbstregulation

Was machen aber die anderen 50% aus? Die andere Seite der wachen Selbstführung ist die achtsame Selbstregulation. Sie beschreibt eine Fähigkeit, sich selbst aus dem Stressmodus heraus in eine innere Ruhe und Friedlichkeit zu führen. Du fragst, wie das geht? Mithilfe der Achtsamkeitspraxis. Sie hilft dir, dich wieder mit deiner eigenen Mitte zu verbinden, dich wieder zu öffnen, präsent zu sein und dein Einfühlungsvermögen wieder zu aktivieren.

Genau genommen ist Selbstführung nichts anderes als Aufmerksamkeitslenkung.

Du entziehst dem Außen, der stressauslösenden Situation, deine Aufmerksamkeit und richtest sie nach innen. Das machst du wach und bewusst, also sehr achtsam. Die Haltung, die du dabei einnimmst ist eine absichtslose, eine freundliche, nicht wertende. Du musst nichts anderes tun, als deine Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen wahrzunehmen. Spüre hin. Bewerte sie nicht, ignoriere sie nicht. Alles darf sein. Nimm sie einfach an. Sehr unterstützen kann dich hierbei die formelle Achtsamkeitspraxis, etwa in Form der Meditation oder Kontemplation.

Wenn du dein achtsames Gewahrsein zu deinem täglichen Begleiter machst, wirst du merken, dass du den Raum zwischen dem stressauslösenden Reiz und deiner Reaktion hierauf wach gestalten kannst. Du wirst auch spüren, dass deine innere Haltung dir, aber auch anderen gegenüber zunehmend wertschätzender wird. Dir wird es leichter fallen, mit Stress umzugehen. Und deine Zufriedenheit wird zunehmen.

Neugierig, mehr über wache Selbstführung zu erfahren? Dann schau dir in.sight, den neuen Achtsamkeitsbegleiter und Businessplaner, einmal näher an. Er erscheint im Juni 2019 im Junfermann Verlag.

 

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Dr. Katja Bartlakowski

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