„Pandemien als Ganzes nehmen an Häufigkeit zu. Das ist kein zufälliger Akt Gottes. Sie wird durch das verursacht, was wir der Umwelt antun.“

[Peter Daszak, Krankheitsökologe und Präsident der EcoHealth Alliance in New York]                   

 

Es gibt über eine Mio. verschiedene Viren. Einige von ihnen sind seit vielen Jahrzehnten bekannt. Auch kam es immer wieder zu Epidemien – es seien nur beispielhaft genannt: Spanische Grippe 1918, Machupo-Virus 1961, Marburgfieber 1967, Ebola 1976; H.I.V. 1981, Hanta-Virus 1993, Hendra-Virus 1994, Vogelgrippe 1997, Nipah-Virus 1998 und in jüngerer Zeit SARS-CoV 2002; Vogelgrippe 2004, Schweinegrippe 2009, MERS-CoV 2012. Seit 2019 haben wir SARS-CoV-2. Und davor gab es einige nicht weniger heftige Virusgrippe-Wellen.

Viele der Epidemien gingen weltweit mit zum Teil mehreren tausend Verstorbenen einher. Und auch die Virus-Grippe 2017/2018 forderte nach Angaben des RKI allein in Deutschland etwa 25.000 Grippetote (im Schnitt versterben im Rahmen einer Grippe zwischen 8.000 und 11.000 Menschen jährlich). Natürlich gab es Medienberichterstattungen; entsetzt oder besonders aufgeregt hat dies jedoch niemanden. Ganz anders beim SARS-CoV-2 oder Corona-Virus. Dieses Virus scheint uns Angst und Schrecken zu lehren. Da werden Schulen, Kitas und Geschäfte buchstäblich über Nacht geschlossen, das öffentliche Leben reduziert, soziale Kontakte eingeschränkt, das Versammlungsrecht aufgehoben und Schutzmaskenplicht in einigen Bereichen eingeführt. Sorgen beherrschen das Leben – die Sorge, sich oder andere anzustecken, die Sorge, ernstlich zu erkranken, die Sorge, seine Existenz oder Arbeit zu verlieren. Kein anderer Gedanke scheint mehr möglich in unserer Gesellschaft. Und die Folgen der sozialen Isolation auf unsere körperlich-seelische Gesundheit werden kaum beachtet. Dabei erleben Ärzte und Psychologen eine stressbedingte Zunahme von Problemen wie etwa Depressionen, Angst-, Zwangs- und Suchtstörungen, Herz-Kreislauferkrankungen, aber auch Zunahmen von häuslicher Gewalt.

 

Viren: Killer oder Wegbegleiter?

Viren gehören nicht nur zum heutigen menschlichen Leben dazu, sondern sind uralte Entwicklungsbegleiter. Sie sind ein Ausdruck der Evolution, im Rahmen derer sich Krankheitserreger durch natürliche Selektion an neue Wirte und Überträger anpassen. Viren sind uns nicht fremd. Sie sind wahre Evolutionshelfer. Man nimmt an, dass mehr als 20% unseres menschlichen Erbgutes viralen Ursprungs ist. Forschungsergebnisse deuten sogar darauf hin, dass Viren unser Denken und Fühlen beeinflussen können.

Sind Viren Lebewesen? Darüber herrscht unter den Wissenschaftlern keine Einigkeit. Es spricht jedoch vieles dafür, dass Viren ihre Umgebung wahrnehmen. Sie interagieren und kommunizieren mit der Wirtszelle. Sie sind in der Lage, ihre Struktur zu verändern sowie ihre Mutationsrate zu erhöhen, sobald sie mit der körpereigenen Immunabwehr in Berührung kommen.

Nur ein kleiner Bruchteil der Viren ist als Krankheitserreger bekannt. Mit den meisten dieser Mikroorganismen leben wir in friedlicher Koexistenz. Viele sind uns sogar von Nutzen. So funktioniert etwa unsere Verdauung nur dank eines reichen Mikrobioms in unserem Darm, bei dem bestimmte Bakterien wiederum von Viren in einem gesunden Gleichgewicht gehalten werden. Viren verfügen über raffinierte Verbreitungsstrategien. Bei Tollwutviren ist bekannt, dass sie den Beißreflex des befallenen Tiers verstärken, um sich zu verbreiten; andere Viren wiederum aktivieren den Husten- oder Nießreflex, wie etwa das Corona-Virus. Und noch eines: Änderungen in den Genen der Viren können zu einer Überwindung der Artenbarriere führen, die eine Übertragung zwischen Mensch und Tier möglich macht.

 

Unsere Lebensweise begünstigt Virus-Epidemien

Viele Virus-Epidemien mögen mit einem singulären Tierkontakt begonnen haben – aber allein unsere Lebensweise hat den Ausbruch begünstigt, wenn nicht sogar verursacht. Die Geschichte, die wir uns zu Beginn einer Epidemie erzählen, ist immer ähnlich. Schuldig ist häufig ein Mensch, der einen Tierkontakt hatte, sei es mit einem Affen, einem Schwein, einem Vogel oder einer Fledermaus. Es kommt zu einem lokalen Ausbruch der Erkrankung auf einem Lebensmittelmarkt, im Urwald oder irgendwo sonst. Das Bild trügt. Es geht nicht um einzelne Menschen oder Tiere, die für das Geschehen verantwortlich sind. Das Problem ist globaler und hat viel mit der Lebensweise unserer modernen Zivilisation zu tun. Wir alle sind die Ursache.

Unsere Bevölkerungsdichte erhöht sich stetig. Die Lebensräume von Mensch und Tier rücken immer mehr zusammen. Wir dringen in tropische Regenwälder ein, die eine Vielzahl von unbekannten Tier- und Pflanzenarten beherbergen. Wir fällen Bäume. Wir drängen in den Lebensraum von Wildtieren vor, beteiligen uns an deren Ausbeutung und praktizieren in unseren heimischen Gefilden Massentierhaltung. Wir stören Ökosysteme, fördern Umweltverschmutzung, Monokulturen, Urbanisierung, die Nutzung von Nanotechnologie und Übermedikationen, die zu Multiresistenzen führen. Das Resultat: eine Vielzahl ökologischer Störungen, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass wir anfälliger für Krankheiten werden und es Viren leichter haben, von Tieren auf den Menschen überzugehen. Unsere moderne Lebensweise begünstigt virale Seuchen.

Solange wir unser Umweltverhalten nicht ändern und das ökologische Gleichgewicht nicht wieder herstellen, werden uns Virus-Epidemien zunehmend begegnen und mitunter auch gefährden. Im Kern bleibt da nur eines: Wir müssen lernen, Mikroorganismen, die uns gefährlich und hochinfektiös erscheinen, in unser Leben zu integrieren, sie als zum Leben dazugehörend anzunehmen und unsere natürliche Immunabwehr zu stärken – etwa durch frische Luft, Sonnenschein, körperliche Bewegung, gesunde Ernährung, hinreichend Schlaf sowie durch möglichst wenig seelischen Stress. Und da schließt sich der Kreis. Denn genau hier machen es uns die Maßnahmen im Rahmen der Corona-Krise, aber auch die angstschürende Medienberichterstattung gerade nicht leicht.

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Dr. Katja Bartlakowski

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